Weimarexkursion


SchülerInnen dreier Deutsch-LKs der Jahrgangstufe 12/Q1 in Licht und Schatten um die Dichterfürsten Goethe und Schiller


"Ein guter Mensch sein? Ja, wer wärs nicht gern?
Doch leider sind auf diesem Sterne eben
Die Mittel kärglich und die Menschen roh.
[...]
Die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht.
Wir wären gut - anstatt so roh
Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so."

Diese, die conditio humana beschreibenden, wohl auch beklagenden Verse aus dem von Kurt Weill vertonten Ersten Dreigroschen-Finale „Über die Unsicherheit menschlicher Verhältnisse“ konnten die SchülerInnen der drei Deutsch-Leistungskurse hören, als sie gemeinsam mit ihren Lehrern Herrn Addicks, Herrn Kleinelanghorst und Herrn Dr. Lampenscherf im Rahmen ihrer Weimarexkursion im Deutschen Nationaltheater eine beeindruckende Inszenierung von Brechts 1928 fertiggestellter „Dreigroschenoper“ besuchten. Auch Brechts paradox zugespitzte Antwort auf die Frage

Denn wovon lebt der Mensch? Indem er stündlich
Den Menschen peinigt, auszieht, anfällt, abwürgt und frisst.
Nur dadurch lebt der Mensch, dass er so gründlich
Vergessen kann, dass er ein Mensch doch ist.

hatten sie noch im Bewusstsein, als sie bei ihrem Besuch der Gedenkstätte des ehemaligen KZ Buchenwald sehen mussten, zu welchen Untaten verrohte Menschheit fähig ist. Die Betroffenheit angesichts dieser Anlage, in der über 250 000 Menschen gefangen gehalten und geschunden wurden, war so groß, dass der ursprünglich geplante eine Aufenthalt in der Gedenkstätte am Folgetag um einen weiteren Besuch ergänzt wurde. So konnten die SchülerInnen nicht nur einen Informationsfilm über das KZ Buchenwald ansehen, sondern bei strahlendem Sonnenschein und eisigem Wind sowohl das Außengelände als auch die Ausstellungen über das ehemalige KZ erkunden. Auch konnte das während der DDR-Zeit entstandene monumentale Nationaldenkmal besichtigt werden.

Wie ist es möglich, sich angesichts dieser historischen Realitäten mit dem Humanitätsideal der Weimarer Klassik auseinanderzusetzen? Ist das Konzept einer Menschheit, die in Humanität ihr Ziel findet, nicht von Grund auf desavouiert? Die Besuche in den Wohnhäusern Schillers und Goethes ließen solche Fragen bei Schülern wie Lehrern, die sich in den vergangenen Wochen mit der Lektüre und Interpretation von Goethes „Iphigenie auf Tauris“ beschäftigt hatten, aufkommen.
Das eher bescheidene Lebensverhältnisse spiegelnde Schillerhaus ließ einen unruhigen Geist erahnen, der im Ringen um die gedankliche Freiheit und die ästhetische Erziehung des Menschen sich selbst und seiner Familie größte Anstrengungen abverlangt hat. Einen leichten Hauch dieser Anstrengungen konnten die SchülerInnen spüren, als sie die Gelegenheit bekamen, im Schreiblabor des Schillerhauses mit Federkiel und Tinte wie zu Schillers Zeiten in deutscher Kurrent-Schrift zu schreiben.
Goethes Wohnhaus am Frauenplan hingegen zeigte in seiner großzügigen Weitläufigkeit die Welt des Großbürgertums: In Anlehnung an Goethes Farbenlehre ist die Zimmerflucht gestaltet, die der Bewirtung seiner Gäste oder der Beherbergung seiner umfangreichen Kunstsammlungen diente. Von Goethe selbst entworfene Möbel nahmen eine Vielzahl von Majolika, Medaillen und Musikalien auf.
Die Arbeitsbereiche des Dichters waren – zwar eher schlicht gestaltet - gleichwohl beeindruckend: Eine umfangreiche, gut 5500 Bände umfassende Bibliothek war ebenso zu besichtigen wie das Arbeitszimmer, in dem Goethe seinem Sekretär diktierte.
Offensichtlich wurde, dass Leben und Werk der beiden Olympier nicht hat verhindern können, grausamste Verbrechen an der Menschheit zu begehen. Die durch „Iphigenie“ verkörperte Humanität hat sich als ein zerbrechliches Gut, als Ideal gezeigt, das zu verwirklichen der Menschheit nicht gegeben, sondern aufgegeben ist. Goethes optimistischer Glaube an die Möglichkeit menschlicher Autonomie

Ergänzend zu den vielfältigen Bildungsangeboten hatten die SchülerInnen natürlich noch einige Zeit, einander und die Stadt Weimar genauer kennenzulernen: Sorgte die zentral in dem Weimar umgebenden Waldgebiet gelegene Jugendherberge durch ihre Lage zunächst für einige Irritation, so entpuppte sich ihre urige Atmosphäre doch als geeignet, um sich an den Abenden nach anstrengenden Tagen in kleinen oder größeren Gruppen zu erholen. Auch konnten zwischen den Besuchen der Dichterhäuser Abstecher auf den gerade eröffneten Weimarer Weihnachtsmarkt oder Einkaufsbummel durch die Weimarer Innenstadt unternommen werden.




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