Bau eines BUKA-TAKO
Fliegende “Skulpturen” im Kunstkurs Differenzierung Klasse 9
Tako-Do, unter diesem Motto stand über viele Wochen unser Kunstunterricht, da wir Drachen gebaut haben, aber nicht irgendwelche, sondern traditionelle japanische Drachen, eben Takos.
Tako-Do heißt demnach: Weg des Drachens.
Daran knüpft sich eine japanische Lebensphilosophie, die auf alle Lebensbereiche angewendet werden kann. Jemand, der Tako- Do beherzigt, orientiert sich an vier grundlegenden Eigenschaften: Gewissenhaftigkeit, Hoffnung, Geduld und Selbstbeherrschung.
Auf unsere Drachen bezogen bedeutet Gewissenhaftigkeit, dass man den Drachen ganz genau bauen muss. Jeder Stab muss auf den Millimeter die richtige Stärke haben und genau auf das Drachensegel geklebt werden. Hoffnung erfüllt uns, wenn wir zum ersten mal den Drachen steigen lassen möchten- Fliegt er oder fliegt er nicht? Geduld ist wichtig, wenn der Wind nicht so weht, wie wir es möchten und Selbstbeherrschung ist sehr sehr nötig, wenn der Drachen in Baum hängen bleibt oder ein Stab bricht (wie es auch einer Gruppe aus unserem Kurs ergangen ist).
Im Sinne des Tako-Do zu handeln, hat also insgesamt einen enormen erzieherischen Wert.
Die Geschichte der Drachen beginnt vor mehr als 2000 Jahren in China. Von dort aus wurden sie wahrscheinlich durch buddhistische Missionare im asiatischen Raum verbreitet.
Die Schüler des Philosophen Mo Zi , die Mohisten, haben sich im 4. Jhd. v. Chr. wissenschaftlich mit dem Drachenbau beschäftigt und setzten Drachen für militärische Zwecke ein.
Einen eher makaberen Zweck sollen die Drachen für den Kaiser Wen Hsuan Ti gehabt haben, da er angeblich Gefangene mit einer großen Bambusmatte von einem Turm hat springen lassen. Ob einer von den Gefangenen überlebt hat, ist nicht bekannt, doch derjenige wäre frei gewesen.
In einem von Marco Polo veröffentlichten Reisebuch (1282) berichtet er über Menschenbeförderung mittels Drachen.
Neben diesen ganzen praktischen Nutzungen bekamen die Drachen in China und im gesamten asiatischen Raum eine große religiöse und symbolische Bedeutung. Beispiele für Symbole mit Bedeutung auf Drachen sind die Lotusblühte, die für Reinheit steht, oder der Kranich, der für ein langes Leben und Glück im Alter steht.
Drachen wurden im Lauf der Zeit zu einem wichtigen Bestandteil familiärer Feste, religiöser Rituale und politischer sowie festlicher Zeremonien.
Der Drachenbau selbst ist eine sehr komplizierte Angelegenheit, die von uns handwerkliches Geschick und äußerste Sorgfalt verlangte. Zuerst bekamen wir Bambusrohre, die gespalten werden mussten. Danach schnitzten und schliffen wir die Stäbe, die genaue Maße haben mussten, wie z.B. die Diagonalstäbe mit dem Maß 960 x 3 x 2 mm, da ihre Biegefähigkeit beim Fliegen eine wichtige flugstabilisierende Rolle spielt. Die mit bunten Motiven bemalten Drachensegel, die eine ganz bestimmte Form aufweisen mussten - bei uns die des Buka- wurden dann mit den biegungsoptimierten Bambusstäben beklebt sowie durch Schnüre –Palsteg und Weberknoten beherrschen wir jetzt im Schlaf.- und Umklebung der Randzugaben mit Hilfe von Leim fixiert. Danach mussten noch die Waage-Zügel und die Biegeschnur des oberen Querstabes angebracht und angepasst werden. Fertig!
Doch am meisten Spaß hat das Steigen lassen der Drachen nach wochenlanger Arbeit gemacht und das Tollste war, dass alle Drachen des Kurses geflogen sind. Leider musste eine Drachengruppe beim ersten Flug lächelnd Tako-Do beweisen, denn ein Stab war gleich beim ersten Hochziehen durchgebrochen und der Buka abgestürtzt, gerade an dem Tag, als ein Fotograph, Herr Kleinert, Fotos vom Jungfernflug unserer Drachen geschossen hat.
An dieser Stelle Herrn Kleinert noch einmal herzlichen Dank für sein famose Fotodokumentation!
Nicole Pöpsel und Clara Seeck
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