Sputnik und die Reaktion des Westens

Sputnik 1
4. Oktober 1957: Die Sowjetunion schießt Sputnik, den ersten künstlichen Erdsatelliten in die Umlaufbahn um die Erde. Ganze 84 Kilo in Größe eines Basketballs versetzte die ganze restliche Welt in einen tiefen Schock. Auf einmal konnten sich die USA nicht mehr dadurch beruhigen, einen großen technologischen Vorsprung vor den Sowjets zu haben. Pessimismus machte sich breit. Es musste etwas geschehen, und es geschah auch etwas, sogar eine ganze Menge. Unter anderem wurde vom US-Verteidigungsministerium eine neuartige Forschungsbehörde gegründet:
Die ARPA (Advanced Research Projects Agency)
Entgegen den Ansichten des US Militärs wurde die ARPAnicht als militärische Organisation geschaffen. Das Verteidigungsministerium und Präsident Eisenhower waren der Meinung, eine militärisch geführte Organisation würde das freie Denken zu sehr einschränken und so unproduktiv arbeiten. Die ARPA unterhielt keine eigenen Forschungseinrichtungen, sondern schloss Kooperationsverträge mit Universitäten und industriellen Forschungseinrichtungen ab. Zunächst sollte es nur darum gehen, Technologien für die Luft- und Raumfahrt sowie die Raketentechnik zu entwickeln. Die Entwicklung der Raumfahrttechnologie sollte jedoch schnell der neu geschaffenen NASA zukommen. Die ARPA konnte sich also mehr um ihre anderen Aufgaben kümmern. Neben Projekten zur Raketentechnik wurden die Entwicklung neuer Materialien und Werkstoffe sowie verhaltenswissenschaftliche Forschungen finanziert. Die Entwicklung neuer Kommunikationstechnologien stand zunächst nicht auf der Förderliste der ARPA. Man war der Meinung, die bisherigen Kommunikationsmittel wären ausreichend.

J.C.R. Licklider
Das sollte sich jedoch schon bald ändern. 1962 richtete die ARPA das IPTO(Information Processing Techniques Office) ein, das sich um die Förderung von Informationsverarbeitungstechnologie kümmern sollte. Leiter des IPTO wurde J.C.R. Licklider, von allen Lick genannt. Licklider hatte bereits im Jahr 1960 ein Manuskript mit dem Artikel "Man-Computer Symbiosis" verfasst, dass heute wie eine Vision wirkt. Licklider forderte dass Computer mehr sein müssten, als bloße Rechenmaschinen. Er meinte, Computer müssten als Verstärker menschlicher Intelligenz wirken. Damals schon sah er eine Nutzung von Computern in Wissenschaft und Verwaltung voraus der mit dem Benutzer in einen Dialog tritt. Um die Tragweite dieser Vision bewerten zu können, muss man sich die Rechnertechnik der damaligen Zeit einmal vor Augen führen:
Computer hatten die Ausmaße von ganzen Hallen. Einen Computer auf dem eigenen Schreibtisch stehen zu haben, war damals unvorstellbar. Tastaturen und Bildschirme, wie wir sie heute kennen, waren noch nicht verbreitet und sehr sehr teuer. Da die Rechner sehr teuer waren und sehr viel Energie zum Betrieb benötigten, versuchte man, sie möglichst effektiv zu nutzen. Wollte also ein Wissenschaftler ein Programm schreiben, dass eine Berechnung durchführen sollte, lief es meisten folgendermaßen ab: Der Wissenschaftler schreib sein Programm zunächst auf Papier. Da es noch keine Hochsprachen gab, musste er maschinennah programmieren. Dieses Programm musste er nun auf Lochkarten lochen. In der Hoffnung, alles richtig programmiert und gelocht zu haben, brachte er seinen Lochkartenstapel nun zu seinem Rechenzentrum. Einige Stunden später erhielt er (hoffentlich) seine Ergebnisse.
Dieses "Prinzip der chemischen Reinigung" ärgerte Licklider. Seiner Meinung nach mussten Rechner sich nach dem Menschen richten, und nicht die Menschen nach dem Rechner. Daher setzte sich Licklider für Time-Sharing-Maschinen ein. Bei diesen Rechnern wurden an einen Rechner viele Terminals angeschlossen, auf denen ein Dialog mit dem Rechner lief. Als Erweiterung dieses Prinzips schwebte ihm die Vernetzung von Rechnern vor, um Ressourcen zu teilen und zur Dezentralisierung beizutragen. Das Problem zum damaligen Zeitpunkt war, dass die Rechner nicht zueinander kompatibel waren. Oft konnten nicht einmal verschiedene Rechnertypen des selben Herstellers miteinander kommunizieren.
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