Skifahren
Samstag, 6:30 Uhr, Schule - drei Wörter die unverkennbar nicht zueinander passen.
Es gibt nur einen Grund für einen 14-16jährigen zu einer so unmenschlichen Zeit, am Wochenende aufzustehen und sich zur Schule zu begeben. Eine Klassenfahrt.
So auch am 14.01.06. Eine Horde frierender Schüler zweier Klassen steht an der Bushaltestelle und wartet auf die Abfahrt in Richtung Hopfgarten/Tirol zur jährlich stattfindenden Skifreizeit der 9ten Klassen des Einstein Gymnasiums.
Gut 90% waren Anfänger, die noch nie Ski gefahren sind und sich beim besten Willen nicht vorstellen konnten, auf zwei Holzbrettern einen schneebedeckten Berg hinunter zu rutschen.
Was soll daran denn auch Spaß machen, bei eisigen Temperaturen von bis zu minus 15°C in den Tiefschnee zu fallen? Allerdings wurden wir dann am Sonntag eines Besseren belehrt, denn Skifahren ist nicht nur lustig, es macht auch noch einen riesen Spaß, schnell einen Hügel hinunter zu rasen. Selbst die regelmäßigen Landungen mit dem Gesicht voran in den Schnee haben der Laune kaum einen Dämpfer verpasst.
Skifahren sieht nicht nur total lustig aus, die anderen bei ihren Versuchen zu beobachten auf den Skiern stehen zu bleiben, war zweifelsohne zum Totlachen. Allerdings war man dann selbst an der Reihe und war noch dazu viel schlechter als alle anderen zusammen, das war dann nicht mehr so komisch.
Als man dann aber einen kleinen Hügel mehr oder weniger elegant runterfahren konnte, war man auf jeden Fall sehr stolz. In unseren kleinen Gruppen sind wir dann sehr langsam den "Idiotenhügel" hinunter gefahren.
Die Stops, die wir alle 10 m einlegen mussten, waren zwar etwas nervig, jedoch notwendig.
Schließlich wollten wir ja ALLE am nächsten Freitag die berühmt berüchtigte Schwarze Piste runterfahren. Und weil wir auch alle am nächsten Freitag noch leben wollten, mussten wir eben warten, bis alle wieder zusammen waren, bevor wir die nächsten 10 m in Angriff nehmen konnten.
Ein weiteres Highlight war auf jeden Fall der Lift. Für diejenigen unter euch, die sich nichts unter einem Ankerlift vorstellen können, hier eine kleine Erklärung:
Man wird zu zweit oder alleine (wobei es zu zweit wesentlich angenehmer ist) den Berg hochgezogen, man hat dabei eine Halterung knapp unterm Hintern, die einen dann nach oben zieht.
Allerdings musste man der Verlockung (einen Hügel hinunterzufahren ist wesentlich anstrengender als man erwartet) widerstehen, sich hinzusetzen. Tat man dies, so lag man in den nächsten Sekunden zweifelsohne im Schnee und musste zusehen, dass man möglichst schnell wieder weg kam. Es gibt fast nichts, was unangenehmer ist, als ein paar Skier, die einem über die Finger fahren. Zum Glück hat, soweit ich weiß, kaum einer diese Erfahrung machen müssen.
Dann, am Dienstag, der verflixte 3. Tag (manche von euch haben an diesen Tag wohl kaum gute Erinnerungen, allerdings habe ich versprochen, nichts über diverse Vorkommnisse zuschreiben), sind wir Anfänger das erste Mal in ein größeres Skigebiet gefahren. Drei Lifte, viele verschiedene Pisten, blaue, rote und natürlich die schwarze...
Aber erst mal von vorne. Das erste, wie es uns schien, unüberbrückbare Hindernis war der Sessellift.
Einfach nur hinsetzen, wenn der Sitz die Kniekehlen berührt. Leichter gesagt als getan, mit Skiern an den Füßen und Skistöckern in der Hand war es garantiert nicht einfach. Dann ging es den Berg hoch, das erste Mal saß man ganz verkrampft in seinem Sitz, bloß nicht schaukeln, umdrehen oder sonst irgendwelche gefährlichen Sachen machen, denn es ging tief hinunter. Was uns durch das starre Nachvorneschauen entgangen ist, ist uns erst beim zweiten Mal bewusst geworden, ein Blick über die Schulter zurück, auf verschneite, von der Sonne angestrahlte Berge - atemberaubend.
Aber wen kümmert schon die Aussicht, wenn kurz darauf der Ausstieg aus dem Sessellift bevorsteht...
Sitzenbleiben, so lange wie möglich, dann aufstehen und den kleinen Hügel runterfahren, hört sich super einfach an, war es dann aber nicht wirklich. Nervös wie wir waren, sind wir zu früh aufgestanden oder haben die Skistöcke verloren. Doch dann war es geschafft. Dann eine kleine Abfahrt hinunter zu einem Ankerlift, aber der war dann nicht so schlimm, so einen kannten wir ja schon. Oben angekommen, mussten wir wieder ein Stückchen fahren und dann einen weiteren Ankerlift nehmen. Erst dann waren wir oben, ganz, ganz weit oben. Schön war's dort. Doch wir mussten ja auch wieder runter...
Es war aber gar nicht mal so schwer. Zwischendurch rasten mal die Pistensäue an uns vorbei, was einen dann oft so aus den Konzept gebracht hat, dass man weniger elegant in den Schnee gefallen ist.
Doch irgendwann sind wir auf der Haagalm angekommen, wo wir dann zu Mittag gegessen haben und uns die anderen Skifahrer anschauen konnten, die mal mehr und mal weniger schön zum Stehen gekommen sind.
Was dann aber oft sehr niederschmetternd war, ist die Tatsache, dass kleine Kinder, die grad erst laufen konnten, viel besser den Berg runter gekommen sind als wir. Mit gelangweilten Gesichtern sind sie dann zum Stehen gekommen und wir, wir sind mit angestrengter Miene schwankend zwar auch angehalten, sahen dabei aber wesentlich weniger gut aus.
Wobei es auch bei uns ein paar gab, die es dann sehr schnell raus hatten, und wenn wir ehrlich sind, so sahen wir am Ende doch alle aus wir Profis.
Fazit: Hopfgarten war einfach nur Klasse (die ganzen Unfälle natürlich ausgeschlossen) und ich glaube, fast jeder würde das Ganze am Liebsten noch einmal erleben.
von Hannah Liekenbrock
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