Schülerstudium ab 16 an der Universität Bielefeld

Universität Bielefeld

Ich nehme nun – obwohl das jenseits meiner Stufe wohl nur wenige Leute wissen – schon seit mehreren Semestern am Programm „Studieren ab 16“ der Universität Bielefeld teil.

Am besten, ich gebe erst einmal ein paar Informationen zum Programm selbst:
„Studieren ab 16“ richtet sich an SchülerInnen ab der 10. Klasse (es ginge aber auch noch früher, auch 13-jährige haben bereits teilgenommen), welche gern neben der Schule schon mal sehen möchten, wie es an der Universität zu geht.
Man kann aus einer relativ großen Fülle von Fächern ein Fach oder mehrere wählen (ich hatte zuletzt zwei), in denen man an Vorlesungen, Tutorien, Seminaren oder Praktika teilnimmt. Zu diesen Fächern gehören Chemie, Erziehungswissenschaft, Geschichte, Informatik, Mathematik, Physik, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften und andere.
Hat man sich für eines der Fächer entschieden, muss man sich im SchülerInnen-Büro der Uni Bielefeld melden, ein kurzes Anmeldungsverfahren hinter sich bringen und schon steht einem die Tür in das „Studentenleben“ offen.
Die Anmeldung umfasst ein Anmeldeformular, welches von der Schule abgestempelt und unterschrieben wird, ein Motivationsschreiben (warum möchte man teilnehmen?), einen Lebenslauf, eine Kopie des letzten Zeugnisses und schließlich ein Empfehlungsschreiben des jeweiligen Fachlehrers (wenn vorhanden). Die Anmeldungsfrist läuft normalerweise bis wenige Wochen vor Semesterbeginn (für das Sommersemester 2009 bis zum 31.03.2009).
Ein guter Notendurchschnitt ist zwar hilfreich aber nicht notwendig. Ich habe gehört, dass auch Schüler mit einem Durchschnitt von „nur“ 2,8 dabei waren. Auch ich habe keinen Durchschnitt von 1,0 oder so. Davon sollte man sich also nicht abschrecken lassen.

Es sollte aber gesagt werden, dass so ein Studium, je nach dem, wie schnell man lernt, viel Zeit beanspruchen kann („Studieren ist ein 40-Stunden-Job“, 40 Stunden pro Woche waren es zumindest bei mir aber eher seltener :-) ). Man sollte also nicht annehmen, dass man sich einfach in eine Vorlesung setzt und das war es. Studieren kann harte Knochenarbeit sein ;)
Wenn man sich aber doch entscheidet, die Strapazen auf sich zu nehmen und sich der Doppelbelastung Schule-Studium zu stellen, so bringt ein solches Schülerstudium eine ganze Menge Vorteile:

Des weiteren kann es, wenn man sich nicht übernimmt, auch durchaus Spaß machen, zu studieren und sich mit Dingen zu beschäftigen, die weit, weit über das hinaus gehen, was im normalen Schulunterricht behandelt wird. Das sollte eigentlich auch der Hauptgrund sein, ein solches Schülerstudium zu beginnen.

Ich behandle als Beispiel für ein solches Studium mal den Fall Andre Schenke:
Erfahren habe ich von der Möglichkeit eines Schülerstudiums schon relativ früh, in der zehnten Klasse. Es sollte aber noch fast zwei Jahre dauern, bis ich beginnen konnte (das ist aber eine andere Geschichte ;)).
Jedenfalls habe ich dann, nachdem ich auf das Einstein-Gymnasium gewechselt war, der Schulleitung von diesem Vorschlag erzählt, welche sich sehr entgegenkommend zeigte. Die Anmeldung war nun ein Klacks. Kurzum, zu Beginn der 12. Klasse konnte ich nun endlich anfangen mit dem Schülerstudium.
Meine erste Vorlesung war „Lineare Algebra I“, eine von zwei Mathematik-Grundvorlesungen. Der Hörsaal war brechend voll; ich musste die komplette Vorlesung stehen. Thema dieser ersten Vorlesung waren Mengen und was man mit ihnen anstellen kann, grob gesprochen. In rasantem Tempo folgten dann Gruppentheorie, ein wenig zu so genannten „Ringen“ und „Körpern“ bis schließlich die Grundstruktur der Linearen Algebra, der „Vektorraum“ definiert war. So ähnlich ging es dann weiter (die Begriffe hören sich schlimmer an, als sie sind), bis schließlich die erste Klausur anstand, welche ich mit etwas Glück auch prompt bestand.
Neben den Vorlesungen musste jede Woche ein Übungszettel bearbeitet werden, welcher meist aus vier Aufgaben bestand. Diese Übungszettel sind, wenigstens in Mathematik und Physik, quasi das eigentliche Studium. An ihnen kann man überprüfen, ob man wirklich verstanden hat, was in der Vorlesung behandelt wurde. Es schaffen übrigens nur die wenigsten, bei solchen Zetteln immer alles richtig zu haben (ich gehöre z.B. nicht dazu). Das ist aber nicht schlimm. Durch das Auseinandersetzen mit den Aufgaben lernt man schon enorm viel. Ob man dann das richtige Ergebnis hat, ist nur Nebensache. Der Weg ist hier gewissermaßen das Ziel.

In anderen Fächern kommen auch noch andere Aufgaben hinzu. In Gesellschaftswissenschaften muss man oft Texte schreiben, in Naturwissenschaften – vorausgesetzt, man belegt die Experimentierkurse – Versuchsprotokolle anfertigen, manchmal auch Referate halten oder ähnliches.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass so ein Schülerstudium eine sehr gewinnbringende Erfahrung ist (die unter Umständen auch Zeit einspart). Man lernt interessante Dinge und interessante Leute kennen, gewöhnt sich Schritt für Schritt an ein immer höheres Lerntempo (hätte man ein solches schon vorher, könnte man bestimmt einfach mehrere Klassen überspringen) und so ein Vermerk „Schülerstudium“ macht sich mit Sicherheit auch gut in Bewerbungen.

Andre Schenke

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