Rückenfigur Projekt
In der Jahrgansstufe 12 beschäftigten sich die beiden Grundkurse Kunst am Einstein Gymnasium mit der Romantik als Kunstepoche und in diesem Zusammenhang als weiterem Thema mit der Neuinterpretation von bedeutenden Werken der bildenden Kunst. Als Referenz-Motiv wurde das bekannte und geheimnisvolle Landschaftsbild des größten deutschen Malers der Romantik, C. D. Friedrich, „Wanderer über dem Nebelmeer“, in dessen Mittelpunkt eine Rückenfigur markant einen großen Bildbereich ausfüllt, ausgewählt.
Die „Rückenfigur“ als Motiv in Kunstwerken hat eine bis in die Antike zurückgehende Tradition.
Eine nach vorne gestützte Amazone auf einem Relief des Schildes der Athena Parthenos ist als die älteste vom Rücken her gesehene Figur bekannt und präsentiert sich als Repoussoir-Motiv in der Folgezeit immer wieder in künstlerischen Werken.
Im 13. Jahrhundert stellt die Ordnung innerhalb des Bildes ein räumliches und zeitliches Verhältnis der Figuren und der anderen Bildgegenstände zueinander dar. Die Rückenfigur arbeitet sich nun als ein Bildmotiv heraus, das die Aufgabe hat, den Betrachter mit in das Bild hineinzuführen.
In der Romantik wird diese Art der Bildanlage so verstanden, dass man einer Person gewissermaßen über die Schultern guckt und sich in jene hineinversetzen soll.
Caspar David Friedrich (1774-1840) gilt als einer der bedeutendsten Landschaftsmaler der deutschen Romantik. In seiner künstlerischen Tätigkeit sah er sich oft als Vermittler zwischen Mensch und Natur. Seine Gemälde scheinen in ihrer naturalistischen Darstellungsweise einer akkuraten Beobachtung der Natur zu entspringen, doch stellen sie in Wirklichkeit eine wohl durchdachte Komposition dar, in der die einzelnen Bildgegenstände nach der den Künstler beherrschenden Bildidee arrangiert sind. CDFs Bilder sind also keine getreuen Wiedergaben der natürlichen Erscheinung eines bestimmten Ortes. Sie gehen darüber in mehrfachem Sinne hinaus und sollen in ihrer speziellen Zusammenstellung der Bildmotive auch Unfassbares, Geheimnisvolles, Nachdenkenswertes zum Ausdruck bringen.
Landschaftsmalerei galt demnach in dieser Zeit als Seelenspiegel des Künstlers. Das Dargestellte repräsentierte die als wahr empfundene Wirklichkeit.
1815 bis 1823 befand sich CDF auf der Höhe seiner Schaffenskraft. Rückenfiguren - Als Modelle dienten ihm oft seine Frau und sein Bruder. – traten in dieser Zeit zum ersten Mal in seinen bedeutenden Landschaftsgemälden auf.

„Wanderer über dem Nebelmeer“ aus dem Jahre 1818 , Bezugs- und Ausgangspunkt der Unterrichtseinheit: Neu-Interpretation/Variation von (bekannten) Kunstwerken scheint diese innere Idee CDFs in besonderem Maße zu repräsentieren, zumal im historischen Kontext dieses Werkes der Beginn des industriellen Zeitalters sich abzeichnete, in dessen Verlauf die Natur von den Menschen nicht unberührt blieb und Probleme der modernen Gesellschaft sich bald zeigten. Die Folgen dieser Entwicklung bekommt die heutige Zivilisation, wie wir alle wissen und erleben müssen, konkret zu spüren.
Ein besonderer Anreiz, sich mit diesem Thema der Rückenfigur in Anlehnung an die Figur des Wanderers im Vor-Bild CDFs zu beschäftigen und auseinander zu setzen, war wohl auch die Möglichkeit jedes Schülers, sich auf computertechnischen Wege einer eigenen Bildvorstellung zu nähern und diese zu verwirklichen.
Im Folgenden sind einige Bildbeispiele aufbereitet.
FWE
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