Einstein-Gymnasium Rheda-Wiedenbrück

Eine Zeitzeugin berichtet

Am 14. 09 2007 hatte die Israel-AG des Einstein-Gymnasiums einen Gast:
Frau Eisenhut aus Herzebrock war von Frau Meier eingeladen worden, um als Zeitzeugin von ihren Erlebnissen aus der Zeit vor und während des 2. Weltkrieges zu berichteten.
Frau Eisenhut ist 75 Jahre, doch als der Weltkrieg begann war sie noch ein junges Mädchen von 6 Jahren. So hat sie selbst aus nächster Nähe mit bekommen wie in Herzebrock die Judenverfolgung begann.
Alternativer Text

Die Familie von Frau Eisenhut war mit der jüdischen Nachbarfamilie Stern befreundet, die Inhaber eines Textilgeschäfts war. Als sich immer mehr Leute gegen die Juden stellten und diese wussten, dass es zu gefährlich war, in Deutschland zu bleiben, wollte auch die Familie Stern in ein anderes Land auswandern. Doch nach und nach wurden immer strengere Gesetze erlassen, und jüdische Familien durften nicht mehr heraus aus Deutschland. Den Juden wurde das Leben in Deutschland immer schwerer gemacht: z.B. durfte niemand mehr bei ihnen einkaufen; besonders schlimm war auch, dass jüdische Kinder nicht mehr mit nichtjüdischen Kindern spielen durften.
Viele jüdische Eltern schickten ihre Kinder nach Holland damit sie außer Gefahr waren. „Wir kommen dann nach“ hieß es meistens…So blieb den Kindern eine kleine Hoffnung, die aber im Laufe der Zeit immer mehr schwand.
Am 9. November 1938 fand in ganz Deutschland die Pogromnacht (auch Reichskristallnacht genannt) statt. Die Nazis verwüsteten und zerstörten
viele Häuser der Juden, überall brannten die Synagogen. Auch in Herzebrock wurde ein jüdisches Haus angezündet. Frau Eisenhut erinnert sich, wie die Nazis das Haus der Nachbarn stürmten, wie ein Mann die Bewohner aus dem Haus trieb und dann verschiedene Möbel – u. a. das schöne neue Radio – aus dem Fenster warf.
Im Mai 1939 wurden die Familie Weinberg sowie ihre Verwandten nackt durch die Putz gejagt und von den SA-Leuten gedemütigt. Nach dieser schrecklichen Tat flüchteten alle Juden bis auf ein oder zwei Familien aus Herzebrock. Die bereits erwähnte Familie Weinberg ( Israel, Käthe Sara und Sohn Hans Weinberg ) waren die letzten Juden, die am 31. März 1942 zum ‚Arbeitseinsatz im Osten’ per Eisenbahn weggeschickt wurden. Sie wurden in Auschwitz umgebracht.
Der Vater von Frau Eisenhut, Herr Mense, hatte einigen jüdischen Familien geholfenen auszuwandern, obwohl dies verboten war: Da Juden keine neuen Sachen tragen durften, - und die Familie Stern hatte ja ein Textilwarengeschäft- wusch Frau Mense zuvor alle Kleider oder ließ die eigenen Kinder die neuen Sachen tragen, so dass die Kleidung dann ein bisschen ‚gebrauchter’ aussah.
Beim 1. Mai- Umzug 1939 musste Herr Mense dann zur Strafe mit einem Schild auf dem stand: „ICH BIN EIN JUDENFREUND“ am Anfang des Umzugs gehen und alle Leute und Soldaten durften ihn treten, anspucken, schlagen....
Danach wurde er 3 Tage ins Gefängnis gesperrt. Und der Spott der anderen ließ nicht nach, so dass es für den Rest der Familie noch schwerer wurde. Sogar in der Kirche und der Volksschule (Grundschule) wurden die Kinder der Familie Mense verhöhnt und angespuckt – nur, weil sie jüdischen Nachbarn beigestanden hatten.
Nach ein paar Tagen fasste sich die Mutter ein Herz und ging zu einem Nazimitglied, um ihn zu überzeugen ihren Mann freizulassen.
Daraufhin wurde er auch frei gelassen, aber ihm und seiner Familie wurden Verbote auferlegt wie zum Beispiel, dass sie ihre Schmiede schließen mussten.
Im Mai 1939 wurde dann auch noch die Familie Weinberg sowie ihre Verwandten nackt durch die Putz gejagt und von den SA-Leuten gedemütigt. Nach dieser schrecklichen Tat flüchteten alle Juden bis auf ein oder zwei Familien aus Herzebrock. Die bereits erwähnte Familie Weinberg ( Israel, Käthe Sara und Sohn Hans Weinberg ) waren die letzten Juden, die am 31. März 1942 zum ‚Arbeitseinsatz im Osten’ per Eisenbahn wegtransportiert wurden. Sie wurden in Auschwitz umgebracht.
Es war eine harte Zeit für alle. Aber als der Krieg richtig ausgebrochen war und es allen Leuten schlecht ging wurde das Verbot der Arbeit in der Schmiede wieder aufgehoben.
Die Judenverfolgung wurde während der Kriegszeit immer schlimmer. Ab dem Jahre 1939 mussten alle Juden einen Davidstern als Erkennungszeichen tragen. Viele Juden wurden in den Konzentrationslagern umgebracht, andere, es waren aber wenige -
konnten fliehen z.B. nach Amerika, England, Holland oder Chile.

Der Bericht von Frau Eisenhut war für uns alle sehr schockierend. Es ist gut, dass wir von Menschen , die in der Zeit lebten, direkte Informationen bekommen. Es erscheint uns heute unfassbar, dass Menschen andere Menschen gequält und getötet haben, aus dem einzigen Grund, dass sie einer anderen Religion angehörten.
Für uns ist nach diesem Bericht eindeutig klar, dass so etwas nie wieder vorkommen darf.
Alternativer Text

Laura Boxhammer – Pia Drewes – Clara Seeck

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