Einstein-Gymnasium Rheda-Wiedenbrück

Der 9. November 2008 - 70 Jahre Pogromnacht

Sehr geehrte Gäste,

vor genau einem Jahr überreichten wir- Vertreter der Israel-AG des Einstein-Gymnasiums -dem Bürgermeister von Herzebrock-Clarholz, Herrn Lohmann, einen Brief, aus dem wir einige Sätze zitieren möchten.
Dabei stützen wir uns auf Berichte und Recherchen, die dankenswerterweise bereits vor Jahren vom Heimatverein Herzebrock veröffentlicht wurden. Spätere Besuche von Frau Eisenhut, Herrn Brill und Herrn Archivar Möller ergänzten unsere bis dahin gewonnenen Kenntnisse und Einsichten.
So schrieben wir:
"Wir empfinden auch heute Scham angesichts eines solchen menschenverachtenden Verhaltens und sagen mit aller Deutlichkeit: Das darf nie wieder geschehen.
Und doch wissen wir, wie schnell Minderheiten auch in unseren Tagen Zielscheibe von Vorurteilen und Verachtung werden können.

Aus Anlass der 70. Wiederkehr der Pogromnacht möchte die Israel-AG daher anregen, in geeigneter Weise an diese Tat zu erinnern – nicht um Schuld zuzuweisen, nicht um die Frage der Schuld zu klären; das wird niemals in menschlichem Ermessen liegen!
Wohl aber muss es darum gehen, die Erinnerung auch an die dunkle Geschichte unseres Ortes zu bewahren um sie als Mahnung und Vermächtnis zu bewahren, sie gleichzeitig auch als Appell zur Veränderung zu begreifen.
Nach unserm Empfinden geht es zuallererst doch darum, den bereits vielfach vergessenen Opfern unsere Ehrfurcht und unsern Respekt zu erweisen, den Namenlosen ihren Namen zurück zu geben... ‚"

Unser Antrag wurde vom Bürgermeister sofort positiv aufgenommen, dafür sei ihm an dieser Stelle ausdrücklich gedankt. Der Kulturausschuss unter Leitung von Frau Kimmina hat dann später – nach durchaus heftigen und kontrovers geführten Diskussionen mit einer großen Mehrheit für unsern Antrag gestimmt.
Der Auftrag zur künstlerischen Form wurde dann an Herrn Bernhard Vielstädte übertragen. Nach der Stele auf dem jüdischen Friedhof in Rheda, - die Herzebrocker Juden gehörten zur Synagogengemeinde Rheda – hat er nun ein weiteres Mahnmal geschaffen, das mitten in unserm Ort einen denk-würdigen Platz erhält.

"Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar" ist der Leitgedanke von Ingeborg Bachmann – dieser Satz kam in Erinnerung nach den Debatten um das Für und Wider eines – noch eines! – Gedenksteines:
Es ist die Wahrheit, dass auch in unserm Ort Menschen wegschauten, stumm und stumpf blieben, als man in der Nacht vom 9. auf den 10 November Häuser jüdischer Mitmenschen zerstörte.
Es ist wahr, dass in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Herzebrock die jüdischen Mitbürger Arthur Weinberg, Harry Stern, Witwe Blume, Hugo Brill, Julius Brill, Dr. Paul Stern schwer drangsaliert wurden.

Es ist wahr, dass am 11. November das Wohnhaus des Jakob Rollmann abgebrannt wurde, nachdem es in der Pogromnacht bereits völlig zerstört worden war.
Es ist wahr, dass am 13. Mai 1939 Arthur Weinberg und seine Verwandten Salomon Levy, dessen Frau Helene sowie Israel Weinberg und Sara Terhoch in der Putz gedemütigt und gefoltert wurden.

Es ist ebenso wahr, dass Menschen aus Herzebrock die den Juden hilfreich zur Seite standen, von andern Einwohnern öffentlich verhöhnt wurden.

Das alles ist geschehen - und diese Wahrheiten zu hören ist zumutbar.

Als Zeichen für die vielfältigen Formen der Zerstörng , legen wir verbranntes Holz und Glasscherben neben der neuen Stele nieder.

Der große jüdische Dichter und Freund von Ingeborg Bachmann, Paul Celan, hat in seiner Todesfuge das Bild von dem „Grab in den Lüften“ geprägt.
Für die 27 Menschen aus Herzebrock, deren Gräber es nicht gibt, die in Auschwitz, Sobibor, oder anderswo umgebracht wurden oder sich auf der Flucht das Leben nahmen –für diese Mitmenschen jüdischen Glaubens aus unserer Gemeinde, die hier eine lange oder kurze Zeit lebten, soll heute endlich – nach 70 Jahren - ein Zeichen der Erinnerung und Verbundenheit gesetzt werden.
Wir nennen ihre Namen auf dass sie nicht für immer der Namenslosigkeit und dem Vergessen anheim gegeben werden :

LISTE vorlesen ( ohne Geburtsdatum)...


Und als Zeichen der Verbundenheit mit ihnen streuen wir weiße und blaue Blüten über die Holzscheite und die Glasscherben.
Sie symbolisieren auch die Farben Israels, das seit genau 60 Jahren vielen Juden wieder zur Heimat geworden ist.


Die Blüten und die Lichter sollen auch zum Ausdruck bringen, dass das Leben stärker ist als der Tod,
dass wir im Angesicht der Geschichte auch als junge Menschen sagen: Bleiben wir wachsam und empfindsam gegenüber allem, was der Mensch dem Menschen antun kann. Denn die Erinnerung macht stark, und ohne Erinnerung keine Kultur, keine Menschlichkeit, keine Zukunft.

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