Meine Nachtwanderung in den Wald
Schnell packte ich noch die Flasche Wasser in meinen voll gestopften Rucksack, in dem schon mein Handy, eine 2. Jacke, geschmierte Brote und Obst verstaut waren.
Meine beste Freundin Sarah stand schon bereit vor der Haustür. Ich nahm die große, schwarze Taschenlampe, die mir mein Vater geliehen hatte, in meine Hand, steckte mir kurzer Hand noch den Ohrhörer meines MP3 Players ins rechte Ohr, bewegte mich in Richtung Haustür und sagte mir: „Dann mal auf in die Nachtwanderung!“
Sarah und ich gingen in Richtung Wald, zu dem ein langer, schmaler Weg führte. Es hatte vor wenigen Stunden geregnet, weshalb der Weg weich und matschig war. Das brachte Sarah zum Motzen.
„Das ist so ekelig! Ich will nach Hause! Wessen doofe Idee war diese Nachtwanderung überhaupt?“ Ich ignorierte ihr Gemecker und summte leise das Lied mit, was ich gerade hörte. „Hörst du mir überhaupt zu?“ fragte Sara mich gereizt, als wir am Ende des Weges angelangten. Wir betraten den ebenfalls langen und matschigen Weg, der durch den Wald führte und der noch dunkler und gruseliger erschien als sonst. 
Ich bekam eine Gänsehaut vor Angst und griff nach Sarahs Arm, doch sie blockte ab. So hatte ich mir die Nachtwanderung sicher nicht vorgestellt! „Was ist denn? Hast du nicht auch Angst?“
„Am besten hörst du weiter Musik und mir nicht zu!“ Ich wusste nicht, wieso sie so plötzlich agressiv wurde, doch es machte mir schreckliche Angst, wie ihre geschrienen Worte durch den Wald hallten.
„Sarah! Schrei doch nicht so!“, bat ich sie verzweifelt vor Angst.
„Wieso nicht? Wenn ich dich so nerve, gehen wir am besten jeder allein.“
Kaum hatte sie diese Worte ausgesprochen, ging sie in schnellem Tempo in die rechte Abzweigung, an der wir kurz vorher angekommen waren.
Ich sah ihr nach, ohne mich vor Angst nur einen Millimeter zu bewegen. Dann konnte ich sie nicht mehr sehen. Mich packte die Angst. Ich fing an zu schwitzen, obwohl es eiskalt war. Ich rief noch mehrmals Sarahs Namen. Doch sie verschwanden in der unendlichen Dunkelheit. Ich sah mich hektisch um. Trotz der Musik, die ich im rechten Ohr in voller Lautstärke hörte, konnte ich mein stockendes Atmen hören.
Ich versuchte mich zu beruhigen, indem ich mir einredete, dass meine beste Freundin jeden Moment kommen wird.
Ich fing wieder an zu schwitzen und konnte nur noch rennen.
Zurück rennen!
Wie vom Affen gebissen lief ich den Weg, den ich kam, zurück.
Mir kam es so vor, als ob ich noch nie schneller gerannt wäre.
Als ich wieder an den Anfang des Pfads kam, blieb ich panisch stehen. Was war mit Sarah?
Sollte ich warten bis sie zurück kam? Ich wollte weg von dort! Nur weg!
Doch die Frage, ob ich warten sollte, beantwortete sich von selbst.
„Endlich!“ Sarah umarmte mich stürmisch und ich spürte wie sehr ich zitterte.
„Es tut mir leid, dass ich einfach abgehauen bin. Natürlich habe ich auch Angst.
Sorry! Ich wollte nicht so doof zu dir sein.“
„Ist doch kein Problem. Hauptsache du bist wieder hier und gehst nie wieder weg! Ich dachte ich sterbe vor Angst!“
„Und ich erst! Aber du… sollen wir jetzt trotzdem weitergehen, obwohl wir so viel Angst haben? Oder willst du lieber nach Hause?“
„Ach Sarah…,“ ich lächelte sie an.
„Mit meiner besten Freundin kann mir doch einfach nichts passieren!“
Ich nahm ihre Hand und gemeinsam gingen wir in den Wald, der in der Dunkelheit furchteinflößend und grausam wirkte, jedoch wunderschön war und uns das Gefühl von Geborgenheit und Zusammenhalt gab.
Milena Förster
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