Einstein-Gymnasium Rheda-Wiedenbrück

ISRAEL - Erfahrungen und Begegnungen

13 Jahre ist es her, dass Schülerinnen und Schüler des Einstein-Gymnasiums eine Fahrt nach Israel unternommen haben.
In diesem Jahr war es für die derzeitige Israel-AG endlich wieder soweit:

Am 16. Oktober begann für die 15 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 die Fahrt, auf die sie sich lange – nämlich seit 4 Jahren!- vorbereitet hatte: die Studienfahrt nach Israel! Während der Reise haben wir ein Reisetagebuch geführt, aus dem hier Ausschnitte zu lesen sind:

Welch eine Fahrt liegt hinter uns! Neue Eindrücke ohne Ende!
Landschaften und Menschen so anders, so interessant, wie wir sie bisher 'noch nie in unserm Leben ' erfahren hatten!
Mit unseren Begleitern Frau Meier, Herrn Speckmann und Herrn Mönning erreichten wir nach Mitternacht den Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv (dt:'Frühlingshügel'), wo unser Reiseleiter, Dr. Ben Schapiro, bereits wartete. Er sollte uns für die kommenden zwei Wochen begleiten und uns mit seinem umfassenden Wissen tief in Kultur, Religion und Geschichte Israels eintauchen lassen.
Per Bus ging es zum Hostel, auf dessen Dachterrasse wir fast die ganze Nacht verbrachten.. laue Luft, munteres Treiben auch nach Mitternacht...eben: frühlingshaft.
Am ersten Morgen: Frühstücken auf dem Balkon in hellem Licht, um dann eine Stadtbesichtigung zu beginnen.
Bauhausstil, den die deutschen Einwanderer um die Jahrhundertwende mitbrachten, Museen und verschiedene Botschaftsgebäude sind hier zu sehen.
In der Dietzengoff-Allee besuchten wir das Haus, in dem am 14. Mai 1948 die Staatsgründung Israels unter David Ben Gurion unterzeichnet wurde.
Am Nachmittag dann ein Spaziergang zum alten Hafen von Jaffo, anschließend nahmen wir zum ersten Mal ein Bad im warmen Mittelmeer.
Am nächsten Tag: Aufbruch nach Cäsaräa mit seinen reichen archäologischen Ausgrabungen. DA war das 4000 Sitzplätze fassende Amphitheater, die Pferderennbahn, die just an diesem Tag für eine Show genutzt wurde, - es waren ja die Sukkot-Feiertage - , die großartigen Reste eines römischen Aquäduktes, den wir erklommen, bevor es wieder ab ins Meer ging.
Die nächste Station war noch beeindruckender: Megiddo ( das biblische Hamageddon), Weltkulturerbe seit 2005. Forscher haben auf diesem Tel ( Scherbenhügel)gegraben und 22 übereinanderliegende Schichten freigelegt, ein Indiz für die jahrtausendealte Bedeutung dieses Ortes.
Die Übernachtung war dann im Kibbutz Hukok. Wir trafen erstmalig eine Gruppe jüdischer Schüler aus dem benachbarten Kibbutz Ginossar, die für uns eine 'Poike', eine Suppe auf offenem Feuer, gekocht hatten. Nach anfänglicher gegenseitiger Scheu (auch die recht süße Suppe war gewöhnungsbedürftig) wurde die Stimmung langsam lockerer; wir tauschten T-shirts und Freundschaftsbändchen und verabredeten uns für den folgenden Tag.
Der sollte nun ein erster echter Höhepunkt unserer Fahrt werden: Izam Zreik kam mit den arabischen Schülern aus Eilabun: Ein herzliches Wiedersehen nach wenigen Monaten! Die Gruppe war ja im Juni bei uns gewesen! Wir holten dann die Schüler aus Ginossar ab, gemeinsam ging es auf die erste Wanderung, bei der sich einige Rhedaer Schüler als wahre Helden/Lebensretter erwiesen: Ein Mädchen rutschte am Hang ab, sogleich eilten die 'princes of Berlin' (so nannten uns die jüdischen Mädchen) ihr zu Hilfe. Beim gemeinsamen Wandern, das dann tatsächlich durch einen Wasserfall ging ( aufwärts!), beim Pomelospflücken in der Kibbutzplantage, beim Jonglieren auf den Wasserschlauchrollen – da spätestens waren Fremdheit, Ressentiments und Misstrauen dem Spaß gewichen; jedenfalls für die meisten. ... Nach diesem Tag war uns erst bewusst, wie tief die Wurzel des Konflikts zwischen Arabern und Juden ist, sogar die Jugendlichen haben ihre Vorurteile…( 'Really? You sleep in an arab house?' wurden wir gefragt.) Allerdings hatten wir das Gefühl, durch diese Begegnung einen Gesprächsansatz zwischen diesen beiden Gruppen gefunden zu haben.Und der ist ausbaufähig!
Am Abend wurden wir dann sehr herzlich von den Gastfamilien in Eilabun aufgenommen.

Besuche an der libanesischen Grenze, die Besichtigung von Haifa, der drittgrößten Stadt Israels, mit ihrer herrlichen Bucht standen am nächsten Tag auf dem Programm. Die Stadt war früher von deutschen Einwanderern bewohnt; noch sieht man über manchen Haustüren deutsche In-schriften: “Geheiligt werde Dein Name“ konnten wir lesen.
Am nächsten Morgen begann unser Rundgang durch Eilabun mit seinen 4500 Einwohnern: Begrüßung in der 1966 gegründeten „Christian High-School“ durch den Direktor, Herrn Srur. Die Schule hat 430 Schüler, es werden die Fächer Arabisch, Hebräisch, Englisch, Mathematik, Geschichte, Biologie, Chemie, Physik und Informatik gelehrt. Beim Empfang durch den Bürgermeister der Stadt erfuhren wir, dass während der Nakba, der Vertreibung der arabischen Bevölkerung durch den jungen israelischen Staat, viele Eilabuner flohen, einige sogar erschossen wurden. Später kamen die Geflohenen aber zurück. Heute leben Christen und wenige Moslems friedlich in Eilabun. Zu jüdischen Orten besteht nur wenig Kontakt. Wir besuchten das ACAP ( Arab Center for Alternate Planning), eine NGO, die sich für die rechtmäßige Verteilung von Landstücken für die arabische Bevölkerung ( 20% der Gesamtbevölkerung Israels) einsetzt.
Nach einer Mountainbiketour wurde der Abend zu einem herrlichen Fest, bei dem alle wichtigen Leute des Ortes anwesend waren. Es gab köstliches Essen und unsere Gastschüler spielten tolle Musik, zu der wir ausgelassen tanzten.
Noch einmal gestaltete sich der folgende Tag zu einem jüdisch- arabisch-deutschen Event: Wir fuhren an die Quellen des Jordan, machten dort Rafting in Schlauchbooten, genossen später ein ausgiebiges Picknick und fuhren dann noch zum Baden an den kibbutzeigenen Strand des Sees Genesareth.
Ben, Ofir und Izam, die israelischen Leiter dieses Begegnung, trafen bei unseren gemeinsamen Touren immer wieder Menschen (zumeist jüdische Israelis), die erstaunt fragten, was das denn für eine Gruppe sei, die hebräisch und arabisch und auch noch deutsch spräche ??? Unsere Begegnung sorgte für Gesprächsstoff und gab sicherlich so manchen Denkanstoß.
Nachdem wir uns am folgenden Tag schweren Herzens von unseren Eilabuner Gastfamilien verabschiedet hatten, wanderten wir – möglicherweise auf Jesu Spuren -den Berg der Seligpreisungen abwärts zum See Genesareth und nach Tabgha. Dann ging die Fahrt durch die Westbank Richtung Totes Meer. Wir besichtigten die riesige Ausgrabungsstätte Bet She'an, deren Anfänge in das 5. Jahrtausend vor Chr. reichen. Im 8. Jhdt n.Chr. wurde die Stadt von einem Erdbeben zerstört: herrliche Säulenfragmente, ein Theater für 7000 Menschen, Badehäuser, Reste von Mosaiken in Tempelanlagen, freigelegte Plätze und Straßenführungen sind immer noch zu bewundern.
Zu diesem Zeitpunkt der Reise befanden wir uns 400 Meter unter dem Meeresspiegel, das Tote Meer lud uns zum 'Sitzen' ein.. wir waren begeistert, einfach so auf dem Wasser liegen zu können! Natürlich durfte die Schlammpackung nicht fehlen frei nach dem Motto: 'Wer fürchtet sich vorm Schwarzen Mann?' Und die ökologische Bedrohung des Toten Meeres, nämlich das rapide Absacken des Meeresspiegels um 1 Meter pro Jahr, sahen wir allzu deutlich.
Am Abend übernachteten wir unter freiem Himmel in der Wüste, die hier im Negev ein Steingebirge in den unterschiedlichsten Farben und Formationen ist.
Masada stand am nächsten Morgen auf dem Programm; trotz heftigster Sonne und steilem Anstieg (immerhin liegt Masada 450 m über dem Meeresspiegel, und wir kamen ja vom tiefsten Punkt der Erde!) haben wir alle die Plattform erreicht, auf der sich im Jahre 73 n.Chr. die letzten jüdischen Freiheitskämpfer umbrachten, um nicht als Sklaven in die Hände der Römer zu fallen. Wir waren froh, dass wir alle heil und k.o. wieder unten am Bus angelangt sind, der uns in den Nationalpark En Gedi brachte. Steinböcke und Klippdachse standen zur Begrüßung wie bestellt bereit.
Die Nacht verbrachten wir wieder draußen, obwohl der Wüstenplatz auch Zelte bot. Doch unter freiem Himmel ist es einfach schöner.
Israel hat 4 Krater, drei davon sollten wir am nächsten Tag kennenlernen und/oder erwandern. Mit phänomenalen Ausblicken wurden wir belohnt.
Wir besuchten auch das Grab Ben Gurions, des 1. Premierministers Israels, in Sede Boqer; Er wollte seine Landsleute ermutigen die Wüste fruchtbar zu machen - gemäß seinem berühmten Ausspruch: „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“
Es folgte ein steiler Abstieg und eine Wanderung durch einen Teil des 'Großen Kraters'. Unser Nachtlager sollte sich dort – irgendwo im Nirgendwo - befinden... tatsächlich: Es gab dann plötzlich Beduinenzelte, die uns beherbergen sollten – und für uns die köstlichsten Speisen bereithielten: Riesige Fladenbrote, Humus und frisches Gemüse, dazu Eierspeisen, Quark und natürlich süßen Tee. Vor Sonnenaufgang begannen wir am nächsten Tag noch einmal eine lange Wanderung im Krater.

'Alle Wege führen endlich nach Jerusalem' hieß es dann für die nächsten und letzten Tage unsere Fahrt: Diese internationale und sehr jüdische Stadt faszinierte uns; das sehr schöne Abrahams-Hostel in der Neustadt war genau das richtige für uns: Offen, modern, international, stylish,l ebendig, ganz und gar nicht ruhig, dafür gabs aber bereits an der Rezeption die entsprechenden Ohrstöpsel ;)
Man spricht vom 'Jerusalem-Syndrom' – und tatsächlich erwischte es einige von uns in der ersten Nacht - vielleicht waren es in der Kürze der Zeit so viele Eindrücke, dass der Körper für ein paar Stunden eine Auszeit brauchte. Doch nach der ersten Nacht ging es allen wieder gut. Unser Gang in die Altstadt führte uns zunächst durch Mea Shearim, den jüdisch-orthodoxen Stadtteil, in dem die Strenggläubigen leben: Frauen und Männer gehen getrennt, man sieht viele schwangere Frauen, viele Kinder... wir spürten, dass wir hier nicht gern gesehen waren: Man wechselte die Straßenseite, hielt sich die Hand vors Gesicht; Wir wurden lauthals beschimpft, obwohl auch wir getrennt und 'züchtig' angezogen gingen.
Durch das Damaskustor betraten wir die Stadt, gingen zur Westmauer ( 'Klagemauer'), steckten unsere auf kleine Zettel geschriebenen Wünsche in die Ritzen der Mauer, sahen viele Bar Mitzwa Feiern, die auf der Männerseite stattfanden. Auf den Tempelberg konnten wir von hier aus nur einen Blick werfen, später sollten wir von den Hügeln aus einen atemberaubenden Blick auf das gesamte Areal haben. Weiter ging es durch die Via Dolorosa mit ihren 14 Kreuzwegstationen zur Grabeskirche, in der sich – nach Meinung mehrerer Denominationen- das Grab Jesu befand. Hier trafen wir zufällig eine ehemalige Einsteinerin, die 1998 mit der Israel-AG im Lande war... und immer einmal wieder hierher muss!
Der 28. Oktober war ein weiterer dichter Tag : Wir setzten uns mit der schwärzesten Zeit der deutsch-jüdischen Geschichte auseinander, der Shoa.
Um 8.00 früh waren wir bereits bei Niza Ganor, einer Holocaust-Überlebenden, die als junges Mädchen von ihrer Mutter eine andere Identität bekam, in einer österreichischen SS-Familie arbeitete, dort aber nach 2 Jahren doch verraten wurde und nach Auschwitz deportiert wurde.
Diese Begegnung war für uns alle bewegend: mit leiser Stimme sprach die 86jährige Frau , nur einmal zeigte sie ihre eingebrannte Nummer auf ihrem Unterarm. Schwach, aber willensstark hat sie überlebt –, und ihre Geschichte in dem Buch 'Wer bist Du, Anuschka?' festgehalten. Sie gab uns noch mit auf den Weg: „Nur wer die Geschichte kennt, kann die Zukunft gestalten.“
Wir waren dann für mehrere Stunden in der Gedenkstätte Yad Vashem; über die Allee der Gerechten ( Bäume, gepflanzt für Menschen, die Juden während der Nazizeit retteten) erreichten wir den Kinderpavillon, der den 1,5 Millionen ermordeten jüdischen Kindern gewidmet ist. Im neuen Holocaust-Museum mit den vielen Dokumenten, Photos, Videos über die Zeit der NaziDiktatur befindet sich auch die 'Hall of Names, in der die Namen von mehr als 3 Millionen Ermordeten angeordnet sind. Hier fanden wir das Zitat des Propheten Jesajas: „I shall give them in my house and within my walls a memorial and a name“ ( Jes. 56,5).
Dann das Tal der zerstörten Gemeinden: Nach längerem Suchen in diesem Labyrint entdeckten wir die Tafel mit der Inschrift der Synagogengemeinden unserer Region, eben auch den Namen 'Rheda'.
Hier verlasen wir die Namen der 72 ermordeten Mitbürger aus Rheda-Wiedenbrück und Herzebrock und legten Steine nieder, die wir von zu Hause mitgenommen hatten.
Unser Reiseleiter Ben zitierte ein jiddisches Gedicht und einen Satz von Albert Einstein, in dem dieser zur Wahrheit, Gerechtigkeit und zum Frieden aufruft.

Ein Sirenenton ist in der Stadt zu hören: Es ist Sabbat, Freitagabend, und plötzlich steht das Leben still in dieser lauten, rastlosen Stadt: Die Geschäfte schließen, die (neue) Straßenbahn fährt nicht mehr.... In Abrahams Hostel feiert eine Gruppe nach gemeinsamem Kochen: Man betet und singt, man zündet die Sabbatkerzen an.. 'Schalom Schabbat'
Wir besuchen am Samstag das neueröffnete IsraelMuseum mit seinen riesigen Kunstabteilungen ( es ist ein Gang durch die Jahrtausende, wir sehen die Qumranrollen im eigens dafür gebauten 'Schrein des Buches', wir sehen Synagogenräume, ein Tempelmodell, später dann auch die Abteilungen mit Kunst der 20. und 21. Jahrhunderts).
Danach sind wir bei Ben zum Essen eingeladen: Pita und Falaffel, viel Gemüse und Obst, alles schmeckt herrlich frisch, wunderbar leicht. Wir erfahren etwas über die Wirtschaft Israels: Viele junge Menschen protestieren seit langem gegen ungerechte Verhältnisse: 10 Familien im Land dominieren die Wirtschaft und besitzen einen Riesenanteil am Bruttosozialprodukt. Auf der Avenue Rothschild in Tel Aviv wird es sicherlich wieder viele Protestzelte geben.

Am Tag unserer Abfahrt hatten wir noch viel Zeit: zunächst machten wir einen Gang zum Ölberg, von wo wir noch einmal einen herrlichen Blick auf Jerusalem hatten; anschließend fuhren wir nach Bethlehem. Wir erreichten den palästinensischen Ort durch einen Checkpoint, sahen erstmals die erschreckend hohe graue Mauer, die die Westbank ( das Palästinensergebiet) von Israel trennt. Beklommenheit machte sich breit. Ben, unser jüdischer Guide war nicht dabei; der jüdische Staat sieht es nicht gern, wenn seine Guides in palästinensischem Gebiet arbeiten. So führte uns ein junger Araber zunächst zu den Hirtenfeldern, dann zur Geburtskirche aus dem 7. Jhdt. Die Warteschlange war aber so lang, dass wir die Grotte mit dem Stern nicht ansehen konnten; stattdessen konnten wir dann eine Hochzeitsgesellschaft bewundern...
Den Abschluss des Tages bildete ein gemeinsames letztes Abendessen in Jerusalem, bei dem wir uns bei Ben und bei Frau Meier für diese unvergleichliche Reise bedankten. Dieser Dank schließt auch alle die ein, die unsere Reise in vielfacher Hinsicht ( finanziell und ideell ) unterstützt haben.
'Das war das Beste und Interessanteste, was ich in meinem bisherigen Leben gemacht habe' meinte einer von uns – dem konnten wir alle nur zustimmen.
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