Einstein-Gymnasium Rheda-Wiedenbrück - Israel AG des Einstein-Gymnasiums: Auf jüdischer Spurensuche in Prag
Einstein-Gymnasium Rheda-Wiedenbrück


Israel AG des Einstein-Gymnasiums: Auf jüdischer Spurensuche in Prag

Nach der letztjährigen Exkursion in Krakau mit dem Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz, machten sich zehn Teilnehmer der Israel AG des Einstein-Gymnasiums mit den Lehrern Anna Kochtokrax, Thorsten Mönning und der ehemaligen Leiterin der Israel AG Elisabeth Meier in diesem Jahr auf dem Weg nach Prag.

Schon am ersten Tag stand das jüdische Viertel Josefov auf dem Programm. Dort war die Gruppe von der Architektur der Spanischen Synagoge beeindruckt, die im 19. Jahrhundert im maurischen Stil gebaut wurde. Die Pinkas-Synagoge, die anschließend besucht wurde, stellt dagegen ein besonderes Mahnmal dar: An den Wänden wurden die Namen der 78 000 während des Zweiten Weltkriegs ermordeten Juden alphabetisch nach Ort und Familiennamen aufgeschrieben. Direkt an die Pinkas-Synagoge grenzt auch Europas Ältester Jüdischer Friedhof, auf dessen Fläche von nur 1ha noch ca. 12 000 jüdische Grabsteine zu sehen sind. Abschließend besichtigte die Gruppe noch die profanierte Klausen-Synagoge, in der es eine Ausstellung über jüdische Feiertage und jüdische Traditionen gab, und die Jüdische Zeremonienhalle, die für die Leichenwaschung verstorbene Juden genutzt wurde.

Am zweiten Tag der Reise wurde die Prager Altstadt und die Prager Burg, der Hradschin, erkundet, während am dritten Tag mit dem Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Theresienstadt und der Gedenkstätte Lidice die Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte im Vordergrund stand. Im Gegensatz zum Vernichtungslager Auschwitz hatte das KZ Theresienstadt die Funktion eines Durchganglagers, d.h. von hier wurden die Häftlinge weiter in die deutschen Vernichtungslager in Richtung Polen transportiert. In der Garnisonsstadt selber wurde ein jüdisches Ghetto errichtet, in dem rund 40 000 jüdische Opfer lebten. Dieses wurde auch von den Nazis zu Propagandazwecken genutzt, in dem durch Filmaufnahmen das „normale Leben“ der Juden im Dritten Reich dokumentiert werden sollte. Nach den Dreharbeiten wurde der jüdische Regisseur Kurt Gerron und die meisten Schauspieler ins KZ Auschwitz deportiert und größtenteils ermordert. Insgesamt wurden ca. 140 000 jüdische Menschen während des Zweiten Weltkriegs nach Theresienstadt deportiert.

Auf dem Rückweg nach Prag wurde noch die Gedenkstätte Lidice besucht, welche 20 km westlich von Prag liegt. Nach dem erfolgreichen Attentat im Mai 1942 durch tschechische Widerstandskämpfer an Reinhard Heydrich, der damals der zweitmächtigste Nazi in Tschechien war, wurde das damals etwa 500 Einwohner große Dorf dem Erdboden gleich gemacht. Die 173 Männer des Dorfes wurden von Deutschen im Keller eines Bauernhofs erschossen, die 195 Frauen wurden in das KZ Ravensbrück gemacht, wovon dort 52 ermordet wurden. Die 98 Kinder des Dorfes wurden zuvor von ihren Eltern getrennt und nach rassischen Kriterien selektiert: Nur neun von ihnen überlebte die Selektion, die große Mehrheit wurde vergast. Ein Museum informierte die Gruppe über weitere Hintergründe des Dorfes und dessen Zerstörung.

Die Schülerinnen und Schüler haben auf der viertägigen Exkursion viel erlebt. Stellvertretend für die Gruppe stehen folgende Statements einer Schülerin und eines Schülers: „Wir haben viel gesehen und besonders die Eindrücke, die ich in Lidice gesammelt habe, werde ich definitiv mit nach Hause nehmen. Es war nämlich ein beklemmendes Gefühl, dort die Landschaft zu sehen und im Hinterkopf zu haben, dass dort ein Dorf war, was komplett ausgelöscht wurde.“
„Für mich hat sich die Fahrt nach Prag gelohnt, weil sie einen weiteren Einblick in die Judenverfolgung während des Zweiten Weltkrieges gegeben hat. Durch Theresienstadt und Lidice wurden mir die Umstände in Tschechien bewusst. Das verdeutlicht, dass man sich viel mit dem Thema beschäftigen muss.“
Thorsten Mönning


Bild 1: Die Israel AG vor der Spanischen Synagoge und der Statue von Franz Kafka

Bild 2: Eine Wand der Pinkas-Synagoge mit Namen der Opfer des Nationalsozialismus

Bild 3: Blick auf das Gelände der ehemaligen Ortschaft Lidice

Bild 4: Denkmal der Kinderopfer von Lidice

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