Ein Novum: Die elektronische Post
Die ersten Anwendungen für das neue Netz waren Telnet zur Fernbedienung eines Rechners und FTP zur Dateiübertragung. Richtigen Auftrieb erlebte das Netz aber erst mit einer ganz anderen Anwendung, einer Anwendung, von der zunächst gesagt wurde, sie würde nicht benötigt. Jedoch war es nur eine Frage der Zeit, bis Leute das Netz dazu benutzen würden, Nachrichten zu verschicken. Zunächst verschickten Netzwerktechniker Nachrichten untereinander, um das Netzwerk zu administrieren. Da es keine Programme für diese Nachrichten gab, war es notwendig, sich auf dem Rechner anzumelden, an dem auch derjenige arbeitete, um ihm dort eine Nachricht zu hinterlassen. Die ersten richtigen eMails sendete Ray Tomlinson vom BBN im Jahre 1972. Er arbeitete an einem Computer mit der Bezeichnung Digital PDP-10. Auf diesem Computer war es möglich, einem anderen Benutzer mit einem Programm namens SENDMSG Nachrichten zukommen zu lassen.
Er entwickelte ein Programm, dass SENDMSG-Nachrichten über das ARPANET versandte. Dabei armte er einfach die Funktionsweise von SENDMSG, Nachrichten einfach an eine Datei zu schreiben, nach.
Weltbekannt wurde Tomlinsons Idee, anzugeben, an wen eine Nachricht gerichtet ist. 2 Informationen sind nötig, um eine Nachricht korrekt zu adressieren. Neben dem Benutzernamen muss man wissen, an welchem Computer dieser Benutzer arbeitet. Tomlinson wählte das Zeichen als Trennung zwischen Benutzer- und Rechnernamen aus. Zum einen, kam das Zeichen in keinem Namen vor, war aber auf allen seinerzeit gebräuchlichen Rechnern vorhanden. Zum anderen wurde das Zeichen in anglophonen Sprachraum als Abkürzung für "at", also "bei" oder "an" verwendet.
Mit Tomlinsons Programm konnten Nachrichten zwischen Rechnern dieses einen Computertyps verschickt werden. Schnell wurden komfortabelere Programme für den Versand der neuen "eMails" geschrieben, die auf allen Plattformen liefen. Da es noch immer kein Protokoll für das Versenden von Mails gab, wurde einfach auf das bestehende FTP aufgesetzt. Zwischen den Computern wurden speziell formatierte Textdateien ausgetauscht. Leider waren die eingesetzten Programme oft nicht kompatibel zueinander. Die Header der Mails, das sind so eine Art Adressaufkleber, waren verschieden. Eine mit einem Programm geschriebene Mail konnte unter umständen mit einem anderen Programm nicht betrachtet werden, da es sie nicht verstand. Schlimmer noch, wenn der empfangende Computer die Mail keinem Benutzer zuordnen kann, weil er die Adresse nicht entschlüsseln kann. Dennoch machte den die E-Mails oder die Netzwerkpost wie man damals sagte schon 1973 75% der Netzwerkkommunikation aus.
1977 wurden endlich die Header vereinheitlicht. Die damaligen Vereinbarungen sind noch bis heute gültig. Ebenfalls heute noch gültig ist das damals eingeführte SMTP-Protokoll (Simple Mail Transportation Protocol) für das Verschicken von Mails. Es sorgt heute oft für Ärger, da es ziemlich ungeschützt gegenüber Missbrauch ist. Es wird nicht überprüft, ob die Absenderadresse korrekt ist. Einen Kennwortschutz gibt es ebenfalls nicht.
Der riesige Erfolg des eMail-Dienstes zeigte, dass ein Netz wie das ARPANET viel mehr kann, als Computer miteinander zu verbinden. Es verband Menschen miteinander und brachte ihnen eine neue Kommunikationsmöglichkeit, die viel formloser und schneller war als die normale Post und gleichzeitig bequemer und günstiger war, als ein Telefongespräch.
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