Einstein-Gymnasium Rheda-Wiedenbrück

Besuch von Herrn Brill

Alternativer Text


Die Israel-AG der 8.Klassen hat Mitte Januar Herrn Simon Brill eingeladen, damit er uns einiges über sein und das Leben seiner jüdischen Familie während des 2. Weltkrieges erzählt.
Seine Familie kam ursprünglich aus Süddeutschland. Sein Vater Hugo Brill, geboren in Rinteln, blieb auf der Wanderschaft in Herzebrock, wo er seine erste Frau Selma Blume kennenlernte. Sie bauten ein Haus und die Schlachterei an der Möhlerstraße Nr. 5.
1920 übernahm Hugo Brill 50% an einer Möbelfabrik.
Das Ehepaar Brill bekam vier Kinder; am 28.12.1934 verstarb Selma Brill. Angesichts der Gefahren des wachsenden Nationalsozialismus sahen sich Walter und Erna Brill gezwungen, Deutschland Richtung England zu verlassen.
Kurze Zeit später verließ auch Bruno Brill, der Drittgeborene, Deutschland Richtung Holland, wo er aber gefasst und später umgebracht wurde.
Bis 1939 lebte Hugo mit seiner Tochter Irmgard und seinem Bruder Julius in Herzebrock. Als sie keinen Ausweg mehr sahen, flüchteten sie nach Belgien.
Hier lernte er seine zweite Frau Ella kennen. Als die Deutschen 1940 in Belgien einmarschierten , flüchteten sie nach Frankreich, wo sie kurze Zeit später entdeckt und in ein Lager nach Perpignan gebracht wurden.
Zu dieser Zeit war Hugos Frau Ella mit Simon hochschwanger. Kurz vor der Entbindung konnte sie sich und ihre Stieftochter Irmgard mit Schmuck freikaufen. Sofort ging sie in ein Krankenhaus, wo sie kurze Zeit später Simon Brill zur Welt brachte. Da sie ihrem Mann dies mitteilen wollte, ließ sie eine Nachricht in das Lager schmuggeln, worauf Hugo und Julius Brill erfolgreich ausbrechen konnten. Julius, ein leidenschaftlicher Pfeifenraucher, hatte in der Eile seine Pfeife vergessen. Er ging noch einmal zurück um die Pfeife zu holen, wurde aber entdeckt, erneut festgenommen und später umgebracht..
Bis 1946 lebte Hugo mit seiner Familie versteckt in der Nähe von Grenoble. Irmgard arbeitete bei einem Arzt im Nachbardorf. Als die Nachbarn herausfanden, dass die Angestellte eine Jüdin war, wurde sie an die Nazis verraten und nach Auschwitz transportiert. Da sie jung und kräftig war, wurde sie von Auschwitz aus in ein Arbeitslager nach Lippstadt geschickt, wo sie die schlimmste Zeit ihres Lebens verbrachte; viele Mitgefangene starben an Kälte und Hunger.
In der Nacht, in der die Amerikaner nach Deutschland kamen, wurden alle überlebenden Juden des Lagers gezwungen, wieder zurück nach Auschwitz zu laufen. Jedoch wurden sie von den Amerikaner in Lemgo befreit. Irmgard wollte so schnell wie möglich wieder zu ihrer Familie nach Frankreich zurück. Auf der Fahrt mit der Bahn kam sie durch ihren Heimatort Herzebrock und sah, dass das Haus ihres Vater noch stand. Auf dieser Zugfahrt lernte sie ihren heutigen Mann kennen.
In Frankreich angekommen, erzählte sie ihrem Vater, dass sein Haus noch stand, woraufhin dieser beschloss, sofort zurück zu kehren. Irmgard selbst blieb in Frankreich.
Als Hugo Brill mit Familie vor seinem Haus stand, musste er feststellen, dass dort mittlerweile andere Leute wohnten. Nach einiger Zeit konnten sie aber zurück in ihr Haus, mussten aber teilweise ihr Eigentum zurückkaufen!
Hugo Brill lebte bis 1956 in Herzebrock und wurde nach seinem Tod in Rheda auf dem jüdischen Friedhof begraben.
Simon Brill wuchs ab seinem 6. Lebensjahr in Herzebrock auf, ging dort zur Grundschule, später in Rheda zur Realschule. Nach seiner Tischlerlehre machte er in Münster die Prüfung zum Tischlermeister und übernahm dann die Verantwortung in der Möbelfabrik.
Simon Brill war immer politisch interessiert, so war er zweimal Mitglied des Gemeinderates der Gemeinde Herzebrock-Clarholz. Er erzählte uns noch, dass er oft nach Israel reist. Er liebt dieses Land, da er dort nicht ‚der Jude’ ist, sondern ein ganz normaler Mensch. Oft wird er dort gefragt: „Wie kannst Du nur in Deutschland leben?“ Darauf erklärt er dann, dass er hier viele gute Bekannte habe, auf die man sich verlassen kann.
Simon Brill ist seit 42 Jahren verheiratet, hat zwei Kinder, die jedoch nicht jüdisch sind, da sie eine christliche Mutter haben ( Jude ist nur, wer eine jüdische Mutter hat).
Walter Brill ging mit seiner Familie nach Amerika und ist dort verstorben.
Erna Gerecht, geb. Brill, verstarb in England.
Irmgard Warech, geb. Brill, starb mit 85 Jahren am 11. August 2008 in Paris.

Wir haben von Herrn Brill viele wichtige Informationen erhalten. Er hat uns an seinem Leben und dem seiner Familie auf anschauliche und ehrliche Weise das Schicksal der Juden in Deutschland zur Zeit des Naziterrors näher gebracht.
Dafür bedankten wir uns bei ihm sehr herzlich und überreichten ihm einen unserer Israel-Steine.



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